Lebensschutz
Lebensschutz – der Anfang und das Ende des menschlichen Lebens sind keine Verhandlungssache
Für das christliche Menschenbild als Entscheidungsgrundlage für die Politik
Das christliche Menschenbild und die christlichen Tugenden waren mir bei Entscheidungsprozessen innerhalb meiner bereits fast 16-jährigen politischen Tätigkeit immer die bedeutendste Hilfe – und sind es auch heute noch. Doch es ist wichtig, Merkmale dieses „christlichen Menschenbilds“, wie es von vielen immer wieder unbedacht im Mund geführt wird, konkret zu benennen: Dieses Bild vom Menschen erschöpft sich nicht im Willen zur Gerechtigkeit, zur Nächstenliebe und zur Freiheit. Es erkennt diese scheinbar abstrakten Werte für jedes Menschenleben an.
In der christlichen Vorstellung genießt jedes Leben Wertschätzung, gleich, in welchem Entwicklungsstadium es sich befindet. Der Mensch entwickelt sich als Mensch, nicht zum Menschen. Gerechtigkeit und Nächstenliebe müssen einem Embryo genauso gelten wie einem Behinderten, einem erfolgreichen jungen oder einem gebrechlichen alten Menschen. Ich warne vor Bestrebungen, hier zwischen Mensch und Person zu unterscheiden. Das christliche Menschenbild lässt keinen Raum für Kompromisse, wenn es um die Anerkennung von Würde oder von Menschenrechten geht.
Leben schützen in allen Phasen: vor und bei der Geburt, in der Familie, im Sterben
Jeder politisch Verantwortliche überfordert sich, wenn er sich anmaßt, für jede Einzelsituation neue Maßstäbe definieren zu können. Die Frage nach dem Beginn des Menschseins kann nicht Entscheidungsgegenstand der politischen Mehrheitslage sein. Der unbedingte Lebensschutz muss bei der Verschmelzung von weiblicher Ei- und männlicher Samenzelle einsetzen. In diesem Moment entsteht ein neuer Mensch – wenn wir ihn nur lassen.
Doch konsequenter Schutz des Lebens endet nicht nach der Geburt, sondern achtet auf seine Entfaltung im natürlichen Lebensraum. Nirgendwo ist das Kind in Europa statistisch so unsicher wie im Mutterleib – und nirgendwo so sicher wie in einer intakten Familie. Aktive Familienförderung ist in diesem Sinne langfristig angelegter Lebensschutz. Es ist ein Armutszeugnis, wenn erst der demographische Negativwandel und die wachsende Unsicherheit des Zusammenhalts unserer Gesellschaft uns zum Handeln bewegen. Das Geschenk des menschlichen Lebens selbst stellt uns vor die Verantwortung, unsere Zukunft zu bejahen und zu gestalten.
Für eine Kultur des Lebens in der Gesellschaft von heute
Zweifellos: Die Zeit der Schwangerschaft stellt die Frau, den Mann und ihre Beziehung auf die Probe. Unsicherheit und Angst bestimmen in dieser Situation nicht selten das Leben der Betroffenen. Es ist daher umso wichtiger, dass wir in den europäischen Gesellschaften die Wertschätzung für das Leben hochhalten. Kinder bedeuten Zukunft.
Wir müssen jungen Menschen Mut machen, ihre Zukunft in die Hand zu nehmen und zu gestalten. Nach allen Umfragen gehört dazu nichts so sehr wie der Wunsch, eine lebenslange Partnerschaft und eine eigene Familie zu begründen. Die Menschen sind nicht für die Politik da, aber die Politik für die Menschen. Von unideologischer Aufklärung über die Ermunterung zur Familiengründung, Kinderförderung, Leistungsausgleich in finanzieller Form bis hin zur Elternbildung und Schaffung von familienfreundlichen Lebensumständen: Wir müssen in Europa eine Kultur des Lebens schaffen. Europa sollte ein eigenes Interesse an seiner Zukunft haben. Es soll eine menschliche Zukunft sein.
Für eine menschliche Zukunft
Unsere Zukunft bedeutet uns so viel wie unsere Kinder uns das Verschenken unserer Gegenwart wert sind. Das mag abstrakt klingen: Im unbedingten Schutz des menschlichen Lebens wird es ganz konkret. Europa braucht nicht nur eine Wissens-, Informations- oder Leistungsgesellschaft. Es braucht eine menschliche Gesellschaft, geprägt von Solidarität und Bereitschaft für das Abenteuer Leben, das Abenteuer Familie, das Abenteuer der Zukunft. Dafür steht der Fortschritt in der europäischen Geschichte. Ich will dazu beitragen, dass Europa auch in Zukunft dafür steht.
Viele Ereignisse und Entwicklungen in der Geschichte haben uns gezeigt, wohin wir kommen, wenn Menschen sich dazu ermächtigen, über das Lebensrecht anderer Menschen zu entscheiden. Die nachkommenden Generationen trugen in sich stets die Sehnsucht nach einer besseren, menschlicheren Zukunft. Oft haben sie ihre Eltern gefragt: Wie war das möglich, warum habt ihr nichts dagegen getan? Ich möchte meinen Kindern Rede und Antwort stehen können. Alle notwendigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und die statistischen Zahlen der letzten – nicht selten von Individualismus und Materialismus geprägten – Jahrzehnte liegen auf dem Tisch. Es ist an uns zu entscheiden, welche Gesellschaft wir wollen. Dafür trage ich als politisch Tätiger und Denkender, aber auch wir alle Verantwortung – schon heute. Für eine menschliche Gesellschaft von Morgen.


